Freitag, 27. Februar 2026
Was die Epstein-Akten (Epstein-Files) mit den Anträgen beim Fonds Sexueller Missbrauch gemein haben
Der Epstein-Fall beschäftigt aktuell Medien und Öffentlichkeit. Innerhalb von 15 Jahren hat das FBI mehr als 6 Millionen Seiten Dokumente angelegt, von denen erst ein kleiner Teil veröffentlicht ist. Aber schon darin spiegelt sich im Kern wider, was AntragstellerInnen und deren UnterstützerInnen in ca. 20 % der mehr als 30 000 Anträge, die von Mai 2013 bis Mitte 2025 beim Fonds Sexueller Missbrauch eingegangen sind, schildern. Es geht um Erwachsene, die sich zusammenrotten, um Jugendliche und Kinder sexuell zu missbrauchen, sexualisiert zu foltern, sie auszubeuten, u.A. mittels Menschenhandel und Herstellung und Teilen von Missbrauchsabbildungen (Kinder- und Jugendpornografie). Auch vom Einsatz von Medikamenten und Drogen, von Todesfällen und Mord ist die Rede. Uns Mitglieder des Betroffenenbeirates beim Fonds Sexueller Missbrauch überrascht das nicht, siehe unsere Stellungnahme vom August 2023 https://spiegelstelle.de/beitrag?id=69. Auch in diese 2018 veröffentlichte Fachkreisexpertise sind Erkenntnisse aus unserer ehrenamtlichen Mitarbeit beim Fonds Sexueller Missbrauch eingeflossen https://ecpat.de/wp-content/uploads/2018/04/Fachkreis_Empfehlungen_2018_web-2.pdf.
In der derzeitigen Debatte wird Vieles durcheinander geworfen, Falschmeldungen und mittels KI erstellte Fälschungen machen die Runde, ein Teil der Aufmerksamkeit beruht auf Voyeurismus. Gleichzeitig reagieren aber viele Menschen ehrlich betroffen bis entsetzt. Dass das US-amerikanische Justizministerium Unterlagen wieder vom Netz genommen, andere offenbar vernichtet worden sind, steigert das ohnehin schon große Misstrauen gegen staatliche Stellen.
Wir vom Betroffenenbeirat beim Fonds Sexueller Missbrauch gehen davon aus, dass in den Epstein-Files auch deutsche TäterInnen genannt sind. Inwieweit deren Namen bekannt werden, wird die nahe Zukunft zeigen. Aber schon jetzt sind die Vorbehalte groß, die bekannten Mythen von der Elitenverschwörung machen die Runde. Zwar war Epstein Multimillionär, gehörte einem Kreis sehr reicher und wirkmächtiger Personen an. In Sachen sexueller Missbrauch gingen er, seine Freundin Ghislaine Maxwell und deren Kreis aber genauso obszön, dreist und hochkriminell vor, wie die meisten, anderen Milieus angehörenden, Organisierten Missbrauch betreibenden Menschen.
Schon deshalb hoffen wir, dass die Fonds-Anträge, die die damalige Referatsleitung als 'aus dem System herausgefallen' bezeichnet hat, so schnell als möglich gefunden werden, die AntragstellerInnen ihre Hilfen erhalten. Ansonsten könnte es leicht geschehen, dass nicht nur Rechtsextremisten die Sache ausschlachten, um gegen 'die Politik' zu polemisieren, sonndern auch gemäßigtere Personen und Gruppen. Insgesamt droht ein Vertrauensverlust, den unser demokratisches System nicht verdient hat, das gilt auch für den Bund als Träger des Fonds Sexueller Missbrauch. Grundsätzlich war der FSM so konzipiert, dass er gut funktioniert, vorausgesetzt, die für ihn politisch Verantwortlichen möchten das.
Ein Mitglied des Lenkungsausschusses des Fonds Sexueller Missbrauch ist bereit, beim Berliner Verwaltungsgericht in Sachen 'verschwundene Anträge' zu klagen. Wer von solchen Anträgen weiß oder sogar selbst betroffen ist, kann sich bei uns melden. Vertraulichkeit, auf Wunsch auch Anonymität, wird gewährleistet.
Im Auftrag des Betroffenenbeirates beim Fonds Sexueller Missbrauch
Angelika Oetken
Co-Sprecherin
Borgmannstraße 4
12555 Berlin
info@ergo-oetken.de
